Ist die Hansestadt digital?

Die Talkgäste: Hendrik Klindworth, Katharaina Schaefer, Michael Westhagemann und Moderator Oliver Hollenstein (v. l. n. r.) - Fotos: Gute Leude Fabrik

Am Abend vor der offiziellen Eröffnung des Online Marketing Rockstars Festival luden die Gastgeber von „Hamburgs Spitzen“ zu dem Thema „Hamburg digital – verschlafen wir die Zukunft?“ in das AMERON Hamburg Hotel Speicherstadt. Die 15. Ausgabe des traditionellen Netzwerktreffens fand diesmal im Rahmen des OMR Festivals statt.

Im Fokus des Abends: Wie digital ist Hamburg wirklich? Zu diesem Thema hatten die sechs Gastgeber der Veranstaltungsreihe: Dr. Thomas Brakensiek (Vorstandsmitglied Hamburger Volksbank), Ralf Martin Meyer (Polizeipräsident), Gordon Beracz (Colliers International), Jennifer Schönau (General Director Ameron Hotel Speicherstadt), Lars Meier (Geschäftsführer Gute Leude Fabrik) und Thorsten Dzulko (Standortleiter Hamburg PricewaterhouseCoopers GmbH), wieder rund 150 Entscheider aus Wirtschaft, Kultur, Politik, Medien, Wissenschaft und Sport eingeladen. Abseits von OMR & Co fühlte ZEIT-Redakteur Oliver Hollenstein den drei Podiumsgästen beim Bühnengespräch auf den Zahn. Wirtschaftssenator Michael Westhagemann, Dr. Katharina Schaefer, Geschäftsführerin der Hamburg Media School, sowie Hendrik Klindworth, Geschäftsführer von InnoGames, diskutierten über den Standort Hamburg, seinen Wandel von der Medienstadt zum attraktiven Standort für neue Unternehmen, Ideen und Visionen im digitalen Zeitalter.

Direkt zu Beginn sorgte Hendrik Klindworth für Aufmerksamkeit, als er Hamburgs internationalem Charakter hervorhob, was seiner Meinung nach für die Gründung eines Unternehmens mit digitaler Ausrichtung sehr wichtig sei. Die ehemalige Medienhauptstadt Hamburg wurde aber auch aus anderen Gründen von den drei Gästen als attraktiv für die digitale Zunft angesehen. „Natürlich gehen viele unserer Absolventen immer noch gerne zu Arbeitgebern wie Stern und Spiegel, doch mittlerweile gibt es hier in Hamburg eine große Reihe an neuen Traumarbeitgebern, wie zum Beispiel Xing, Facebook und Google, aber auch Unternehmen aus dem Silicon Valley“, erklärte Dr. Katharina Schaefer. Viele Absolventen nutzen die Chance bei diesen Unternehmen ihre Erfahrungen zu sammeln, um dann später ihr eigenes Start-up zu gründen und eigene Visionen umzusetzen.

Michael Westhagemann betonte in diesem Zusammenhang aber auch, dass z. B. in den USA die Etablierung von neuen Ideen und Gründungen von Start-ups deutlich einfacher seien: „Die Digitalisierung verändert jede Branche und man muss draufschauen, wie sich entsprechende Geschäftsprozesse verändern. Du kannst nicht davon ausgehen, dass dein Unternehmen so bleibt, wie es 150 Jahre lang war.“ Zwei Punkte hob Westhagemann in diesem Zusammenhang hervor: Zum einen müssten Unternehmen mehr Bereitschaft zeigen, neue Wege zu gehen, Ideen anzunehmen und Veränderungen zuzulassen. Zum anderen bedarf es einer natürlichen Neugierde die Prozesse in ein neues Zeitalter zu führen. An der Digitalisierung komme kein modernes Unternehmen, egal welcher Größe, vorbei und auch da gibt es für den Wirtschaftssenator klare kulturelle Unterschiede. Während neue Ideen in den USA, besonders im Silicon Valley, mit offenen Armen empfangen würden, habe man in Deutschland mindestens gleich fünf Leute im Umkreis, die einem sagen, warum diese Idee nicht klappen wird. Diese These konnte Hendrik Klindworth nur bekräftigen: „In unserer Gründungsphase wurde uns sinngemäß geraten: Jungs, macht kein Unternehmen, gründet einen Verein, wenn ihr euer Spiel machen wollt.“

Gerade Institutionen wie die Hamburg Media School würden junge Menschen dabei unterstützen, ihre Ideen real werden zu lassen, die Neugierde und die Bereitschaft zu fördern, etwas zu wagen, denn im Gegensatz zu den USA ist die Angst zu scheitern hier noch zu groß – so Katharina Schaefer. Mit Bildung und Aufklärung könne hier gegengesteuert werden: „Ich würde mehr für Bildungsgerechtigkeit tun. Im Rahmen der Digitalisierung wird Bildung das sein, was uns voranbringt, und da lassen wir viele Leute noch zurück“. Hendrik Klindworth ging noch einen Schritt weiter und erklärte, dass die Digitalisierung als etwas Positives begriffen werden müsse: „Mit der Digitalisierung können alle gewinnen und das muss man nutzen für alle.“

Die Vergabe des passend benannten „Netzwerkpreises“ läutete das Ende des Abends ein: Jan-Niko Lafrentz gewann eine Hafenrundfahrt für 20 Personen, die er größtenteils unter den Teilnehmern von „Hamburgs Spitzen“ auswählte. So wird der Netzwerkgedanke der Veranstaltung über den Abend hinausgetragen.


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