Verzockt!

Berlin, Berlin! Wir fahren nach Berlin … //Autokolumne von Autopapst Andreas Keßler

Wenn man die Zahlen der Übernachtungen und die der Touristen aus aller Welt betrachtet, die die deutsche Hauptstadt besuchen, kann einem das schon zu Kopf steigen. Es werden mehr, und immer mehr. Mancher Berliner hat davon inzwischen genug, weil es an den Hot-Spots einfach zu viel wird.

Das geht so seit Jahren, und die Berliner Landesregierung wird nicht müde, diese Entwicklung als Erfolg zu verkaufen (was man tatsächlich auch so sehen kann!). Dass dieser „Berlin-Hype“ aber nicht in jeder Hinsicht ein Selbstläufer ist, hat sich in der Entscheidung des Verbandes der Automobilindustrie gezeigt, der die aus Frankfurt am Main abgezogene Internationale Automobilausstellung nicht in die deutsche Hauptstadt, sondern nach München verpflanzt hat. Die schon als sicher an der Spree geglaubte größte deutsche Automesse schreckte schließlich vor der schrill vorgetragenen Anti- Auto-Stimmung Berlins zurück und wählte als sicherere Alternative die bayrische Landeshauptstadt. Die ganz in der Nähe residierenden deutschen Nobelmarken Audi und BMW klatschten Beifall, und selbst die Wolfsburger konnten diese Entscheidung schließlich nicht mehr ändern.

In Berlin zuckte man ob dieser Entscheidung mit den Schultern, die Wirtschaftssenatorin hatte es im Vorfeld schon nicht für nötig erachtet, bei der Präsentation der Berliner Ideen mit dem VDA zusammenzutreffen. Was soll das? Ist Berlin inzwischen so satt (oder etwa entschuldet?), dass man potenzielle Investoren mit Missachtung straft? Ist Berlin etwa nicht mehr die Werkstatt der Einheit? Als international bekannter Leuchtturm inmitten einer wirtschaftlichen Ödnis, die früher einmal den real existierenden Sozialismus verkörperte, könnte ein wenig mehr Charme und Fingerspitzengefühl nicht schaden, wenn sich neue und womöglich ergiebigere Einkommensquellen für die Stadt und ihre Bewohner erschließen. Der VDA ist mit der IAA leider nicht die erste in einer inzwischen recht langen Liste von Unternehmungen, die an die Spree kommen wollten und gleich wieder weggebissen wurden, dafür aber ein zukünftig besonders stark fehlender! Die Diskussion um die Mobilität ist in keiner deutschen Stadt intensiver und dabei so weit fortgeschritten wie in Berlin. Die Hauptstadt marschiert in der Tat weit vorne mit, wenn es um die Suche nach Alternativen zu Benzin und Diesel und der bisher gelebten Mobilität geht. Wo hätte also eine große Mobilitätsmesse mit Zukunftsanspruch, die bisher IAA hieß, besser stattfinden können? Das Versagen Berlins beim Werben um diese Messe ist nicht nur ein Verlust für die Stadt, sondern für den Mobilitätsstandort Deutschland!

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