Olympia, Quoten, Quanten

Die Gastgeber Lars Meier, Samed Topuzovic, Jennifer Schönau, René Hochschild, Sven Ulbrich, Stefanie Bahr, Henning Riecken und Jan Zunke (v. l. n. r.)

Rund 150 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Medien und Gesellschaft kamen zur 24. Ausgabe von Hamburgs Spitzen im Ameron Hotel in der Speicherstadt zusammen. Die Gute Leude Fabrik und ihre Partner luden zum Austausch über Hamburgs Entwicklungspotenziale – von Wissenschaft über Medien bis hin zur sportpolitischen Zukunft der Stadt.

Im Zentrum des Abends stand der „Spitzen-Talk“, moderiert von Florian Zinnecker (DIE ZEIT). Andy Grote (Senator für Inneres und Sport), Hendrik Lünenborg (Intendant NDR) und Prof. Dr. Dr. h.c. Beate Heinemann (Vorsitzende des DESY) diskutierten darüber, wie Hamburg Verantwortung übernimmt, Innovation fördert und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Die Runde zeigte auf, wie eng Wissenschaft, Medien und Stadtentwicklung miteinander verbunden sind.

Olympia-Debatte: „Eine zweite Chance“

Ein Höhepunkt des Abends war die Debatte über eine mögliche Olympiabewerbung. Grote machte deutlich, dass Hamburg „eine zweite Chance“ habe und die Diskussion heute unter neuen Voraussetzungen geführt werden müsse. „Es wäre merkwürdig, wenn die drittgrößte Sportnation der Welt Olympia gar nicht zum Thema macht“, sagte er. Ziel sei es, „Olympia in Deutschland zu einem Gewinn für alle“ zu machen. Auch ohne finale Bewerbung müsse die entstehende Bewegung genutzt werden: „Unser Ziel ist eine Stadt, in der jedes Kind sich eine Stunde am Tag bewegt und die zur barriereärmsten Stadt Deutschlands wird.“ Zugleich ordnete Grote Olympia als langfristige Standortfrage ein: „Wenn wir uns aus so einem großen Thema heraushalten, riskieren wir, dass Aufmerksamkeit, Investitionen und Dynamik an uns vorbeiziehen.“

Gesellschaftliche Realität: Herausforderungen und Chancen

Lünenborg lenkte den Blick auf die Stimmung in der Stadt. Viele Menschen hätten derzeit andere Sorgen, sagte er, was große Projekte wie Olympia erschwere. Gleichzeitig zeige der Blick auf andere Austragungsorte, „dass am Ende fast alle euphorisiert waren, die die Spiele erlebt haben.

Wissenschaft und Innovation: „Wenn wir es nicht tun, wer dann?“

Heinemann stellte die Rolle von Forschung und Innovationskraft heraus. Wissenschaft erfordere Ausdauer, sagte sie: „Aber irgendwann klappt es. Und deshalb müssen wir Angebote machen – wenn wir es nicht tun, wer dann?“ Mit Blick auf die Science City Bahrenfeld zeigte sie, welche Strahlkraft eine Olympiabewerbung dort entfalten könnte: „Olympia würde diesen Standort und die Wissenschaft in Hamburg auf die Weltkarte setzen.“ Gleichzeitig formulierte sie klare Anforderungen an die Infrastruktur: „Was Hamburg wirklich noch braucht, ist ein leistungsfähiges Supercomputing-Zentrum – das ist für die Wissenschaft genauso entscheidend wie für innovative Unternehmen in der Stadt.“

Im weiteren Verlauf des Gesprächs rückte die Rolle der Medien in den Vordergrund. Grote warnte vor gezielter Manipulation und Desinformation: „Gerade deshalb ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine stabilisierende Kraft für unsere Demokratie.“ Lünenborg beschrieb die Herausforderungen, die sich durch die Implementierung von KI-Anwendungen ergeben: „Ein großer Teil der dort kursierenden Meldungen ist fehlerhaft – und gleichzeitig haben wir uns abhängig gemacht von internationalen Tech-Konzernen.“ Gerade deshalb werde journalistische Arbeit an Bedeutung gewinnen: „Der journalis-
tische Beruf wird durch KI nicht verschwinden – im Gegenteil, er wird wichtiger.“

Zum Abschluss des Abends wurde der Netzwerk-Preis vergeben: ein Dinnerabend für acht Personen im „Yu Garden“. Der Preis setzte einen stimmigen Schlusspunkt unter einen Abend, der von intensiven Debatten, neuen Begegnungen und vielen Impulsen für Hamburgs Zukunft geprägt war.

www.guteleudefabrik.de

Auszug aus der Gästeliste
Rando Aust (Vorsitzender Alexander Otto Sportstiftung), Stefanie Bahr (Geschäftsführerin Engel & Völkers Commercial Hamburg), Hinnerk Baumgarten (NDR-Moderator), Enrique Fiß (Schauspieler), Micha Fritz (Gründer Viva con Agua), Rene Hochschild (Abteilungsleiter Private Banking Sparda Bank), Dirk Kienscherf (Fraktionsvorsitzender SPD Bürgerschaftsfraktion), Martin Lobmeyer (Vorstand HADAG Seetouristik und Fährdienst AG), Jens Meier (Geschäftsführer HPA), Hubert Neubacher (Geschäftsführer Barkassen-Meyer), Wolfgang Raike (Vorstandsvorsitzender Tourismusverband Hamburg e. V.), Mats Regenbogen (Vorsitzender Hamburger Tafel e. V.), Henning Riecken (Geschäftsführer Breuninger Hamburg), Katariina Rohrbach (COO Hamburg Messe und Congress GmbH), Cornelia Schmidt-Hoffmann (Leiterin Bezirksamt Bergedorf), Jennifer Schönau (Hoteldirektorin Ameron Hotel), Sven Ulbrich (Leiter Konzernkommunikation TÜV-Nord), Jan Zunke (Geschäftsführer Sprinkenhof GmbH)