
Mit einer hochkarätigen Vernissage wurden Ende Januar die neuen Räume der Galerie Roschlaub in der Milchstraße 21 in Hamburg-Harvestehude feierlich eröffnet. Zu den Gästen zählten u. a. Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein, Ole von Beust, Guido Maria Kretschmer und Kristina Tröger sowie zahlreiche weitere Persönlichkeiten aus Kunst & Kultur, Medien und Wirtschaft. Das TOP Magazin Hamburg fragte Kirsten Roschlaub wie es zum Umzug der Galerie vom Mittelweg in die Milchstraße kam und was sie sich vom neuen Standort erhofft?
Ich hatte zufällig gehört, dass die vorherigen Mieter ausziehen wollen. Dieses Ladengeschäft war schon immer mein Traum und ich hatte das große Glück, unter den vielen Bewerbern den Zuschlag zu bekommen. Meine ehemalige Galerie war auch wunderschön, aber hier ist eine wesentlich bessere Lage für Laufkunden.
Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf als Galeristin und wie kann man sich einen Arbeitsalltag vorstellen?
Was mich an meinem Beruf fasziniert, ist diese permanente Bewegung zwischen Intuition und Verantwortung. Eine Galerie ist nicht nur ein Verkaufsraum, sondern auch ein Denkraum. Ich arbeite mit Künstlerinnen und Künstlern oft über Jahre hinweg, begleite Entwicklungen, Zweifel, Umbrüche und muss gleichzeitig sehr klar entscheiden, wofür ich öffentlich einstehe.
Mein Alltag ist weniger glamourös, als viele denken. Er besteht aus Atelierbesuchen, Konzeptgesprächen, Budgetkalkulationen, Textarbeit, Sammlerkommunikation, Messevorbereitung, manchmal auch Krisenmanagement. Und dann gibt es diese Momente: eine neue Werkserie im Ausstellungsraum, ein intensives Gespräch während einer Vernissage, ein Werk, das genau den richtigen Menschen findet. Mich fasziniert dieses Spannungsfeld zwischen künstlerischer Radikalität und strukturellem Pragmatismus. Eine Galerie ist immer beides: Schutzraum und Marktplatz. Diese Balance auszuhalten und zu gestalten, ist für mich die eigentliche Aufgabe.
Welche Bedeutung hat der physische Raum heute noch in einer Zeit, in der Kunst zunehmend digital vermittelt wird?
Das sehe ich gar nicht so. Nach wie vor ist es ein großer Unterschied, Kunstwerke digital oder analog zu betrachten. In der digitalen Umwandlung geht immer etwas verloren. Das kennt ja jeder. Ein Bild, das man schon oft im Internet gesehen hat, und wie überwältigend es ist, es dann live zu sehen.
Wie beeinflussen soziale Medien Ihre Arbeit?
Soziale Medien haben meine Arbeit definitiv verändert, vor allem in der Geschwindigkeit. Prozesse, die früher im Hintergrund stattfanden, sind heute viel sichtbarer. Das kann bereichernd sein, weil man Einblicke geben und Dialoge anstoßen kann, die über den Ausstellungsraum hinausgehen.
Gleichzeitig merke ich, wie wichtig es für mich ist, einen bewussten Umgang damit zu finden. Kunst braucht Konzentration, manchmal auch Stille. Nicht jedes Werk funktioniert im quadratischen Format, nicht jede künstlerische Entwicklung ist sofort erzählbar.
Ich verstehe soziale Medien deshalb als Kommunikationsraum, aber nicht als Bewertungsinstrument. Entscheidend bleibt für mich die physische Begegnung mit dem Werk und das langfris-
tige Vertrauen in künstlerische Prozesse.
Wie sind Sie auf die bislang unbekannten Farbfotografien von Werner Bischof aufmerksam geworden und wie kam die Zusammenarbeit mit dem Werner Bischof Estate zustande?
Die Farbfotografien von Werner Bischof wurden erst vor wenigen Jahren in seinem Archiv entdeckt. Sie sind ein Zeugnis von den Anfängen der Farbfotografie und somit etwas ganz Besonderes. Ich habe die Fotos in der Leica Galerie in Frankfurt entdeckt und bin an den Sohn Werner Bischofs, Marco Bischof, herangetreten.
Was kann man zukünftig von der Galerie Roschlaub erwarten – sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich Ihrer Positionierung?
Weiterhin werden wir zeitgenössische und Gegenwartskunst zeigen. Zudem bieten wir eine große Auswahl an Coffeetablebooks und insbesondere auch Limited Editions von diesen an.
Wie balancieren Sie als Galeristin den Spagat zwischen künstlerischem Anspruch und Marktmechanismen?
Ich sehe da gar keinen Spagat. Hier taucht wieder die große Frage auf: Was ist Kunst?
Welche Rolle spielt Ihre eigene Biografie als Fotografin in Ihrer heutigen Arbeit als Galeristin?
Durch meine langjährige Arbeit als Fotografin entstand meine anfänglich reine Positionierung auf Fotografie, da mir dieses Medium vertraut war. Dies hat sich aber in den letzten zwanzig Jahren als Galeristin verändert.
Welche Rolle spielt Hamburg Ihrer Meinung nach aktuell im internationalen Kunst- und Fotomarkt?
Hamburg ist nach wie vor ein sehr guter Standort für Kunst im Allgemeinen und auch für Fotografie. Ich kenne viele außergewöhnliche Privatsammlungen in Hamburg.
Gibt es einen bestimmten Fotografen oder Künstler, der Sie besonders reizt?
Es gibt viele tolle und inspirierende Künstler. Ein Traum von mir ist es, eines Tages Andreas Gursky zu zeigen. Meiner Meinung nach einer der besten Fotografen der Welt.
Was raten Sie ungen Künstlern oder Fotografen, die heute in den Kunstbetrieb einsteigen möchten?
Mit Kreativität und Talent alleine ist es leider nicht getan. Es gehört sehr viel Disziplin, Fleiß, Ausdauer und gute Kontakte dazu.
Gibt es ein bestimmtes Projekt, an dem Sie schon länger arbeiten und das Sie uns bereits anteasern können?
Ganz aktuell startet wieder die Bewerbungsfrist für den diesjährigen „CeU loves Kunst Award“. Hier können sich junge Künstlerinnen unter 40 Jahren bewerben. Ein ganz tolles Projekt, bei dem ich u. a. in der Jury sitzen darf.
