
Cafés und Konditoreien – sie sind quer durch alle Generationen angesagte Treffpunkte, Tummelplatz für Feinschmecker und Verliebte, Orte für gemeinsame Glücksmomente, an denen Tradition, perfektes Handwerk und überraschende Kreativität zu einem harmonischen Dreiklang verschmelzen. Wir schlemmten uns durch die besten Cafés, Pâtisserien und Konditoreien in der Stadt.
Für diese schwierige Auswahl holten wir uns fachliche Unterstützung bei einem der Besten: Stefan Elfenbein, promovierter Politik- und Medienwissenschaftler, der als Restauranttester und Korrespondent seit 2002 für die Zeitschrift „Der Feinschmecker“ in New York und Deutschland unterwegs ist. Konditor‘n gehen ist wieder angesagt, urban, schick. Worauf ruht diese verführerisch-süße Entwicklung?
Cafés und Konditoreien geben uns das Gefühl einer heilen Welt. Ein Stück Glückseligkeit. Es duftet, es sieht fantastisch aus und jeder Bissen ist der pure Genuss. Gerade junge Leute erinnern sich dabei an die Besuche bei der Oma oder der Lieblingstante mit dem frisch gebackenen Kuchen auf dem Tisch. Das sind gute Erinnerungen, die gerade die traditionellen Cafés liebevoll pflegen. Die sind längst Kultorte und Anziehungspunkt für die Menschen aus der Nachbarschaft und für Touristen. Auch die traditionellen Kuchen und Torten wie Schwarzwälder Kirschtorte, Stachelbeer-Baiser-Torte, Donauwelle oder Apfelkuchen vom Blech feiern ihre Renaissance, das aber modern interpretiert.
Da sind wir bei den aktuellen Trends. Welche sind es?
Die sind sehr vielfältig: Es sind die alten Rezepte, die moderner und leichter geworden sind. Weizen wird durch Dinkel oder Reismehl ersetzt, weniger Zucker oder statt Zucker Apfelbrei wie ihn die Oma Notzeiten verwendete. Vegane Kuchen und Torten gehören genauso selbstverständlich zum Angebot wie kleinere Torten. Berlin und Hamburg als Metropolen erleben neue Geschmacksvariationen, die Menschen aus anderen Ländern mitbringen.
Kein gutes Café ohne handwerklich brillanten Konditor.
Viele der Pâtisserien und auch der Pâtis-siers – und es sind tatsächlich in der Mehrzahl Frauen – haben ihr Handwerk im elterlichen Betrieb oder in der Spitzengastronomie gelernt. Sie nabeln sich ab und machen ihr eigenes Ding. Ihr Können, ihre Leidenschaft und die Freunde an der Arbeit sind die Basis für den Boom, den Cafés und Konditoreien gegenwärtig erleben.
Stefan Elfenbein verriet uns seine Favoriten. Wir folgten der süßen Fährte.
Ewig junger Klassiker
Tradition kann ganz frisch und himmlisch verlockend daherkommen! Das beweisen die Konditoren und Bäcker im lauschigen Café der inhabergeführten Konditorei Lindtner in Hamburg-Eppendorf seit 87 Jahren. Hier wird Lebensart gefeiert. Schönste Kaffeehaus-Atmosphäre mit Kaffeekännchen aus echtem Silber und Art-Decó-Leuchten. Zeit für Genuss, Gemütlichkeit, Austausch und den wunderbaren Luxus, To-do-Listen wenigstens vorübergehend zu vergessen. In dieser entspannenden Stimmung können und wollen die Gäste nicht widerstehen, denn es locken die verschiedensten frisch gebackenen Kuchen und Torten, feine Petits Fours und saftiger Baumkuchen mit weißer, Vollmilch- oder dunkler Schokolade, zarte Pralinen und köstliche Kekse. Unsere Favoriten: Baumkuchentorte mit Marzipandecke und Maracujacreme, Engadiner Nusstorte und Schweizer Rübli Torte. Die Konditorei Lindtner ist seit ihrer Gründung in Familienbesitz und seitdem wird mit viel Liebe, ausgesuchten Zutaten und handwerklichem Können nach traditionellen Familienrezepten gebacken. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr. In der warmen Jahreszeit sind die Plätze auf der großen Terrasse vor dem Haus aus den Gründerjahren besonders gefragt.
Konditorei Lindtner, 20249 Hamburg, Eppendorfer Landstraße 88,
www.lindtner.com/de/gastronomie/konditorei-lindtner
Kleine Kunstwerke und große Liebe

Wer die Pâtisserie Johanna in der Hamburger Speicherstadt betritt, erlebt umgehend, dass Besonderes lockt: Gold und Schwarz dominieren und spätestens beim Blick auf die Törtchen und Pralinen gibt es kein Zurück mehr: Platz nehmen. Feinste Konditorkunst in edel-lässiger Atmosphäre genießen. Vor zwei Jahren eröffneten Inka und Ralph Orth die Pâtisserie und erweckten mit ihr den Traum ihrer Tochter Johanna zum Leben. Die 22-jährige Konditormeisterin starb bei der Flut im Ahrtal. In Marcel Reinhardt fanden die Orths einen Partner, der ihre Philosophie, klassische Konditorkunst modern zu interpretieren, perfekt umsetzt. Der 26-jährige gelernte Bäcker- und Konditormeister ist Chefpâtissier und überrascht immer wieder mit neuen Kreationen, die eins eint: Geschmack und Aussehen sind fein komponiert, jedes Detail sorgsam gepflegt, die handverlesenen Zutaten umschmeicheln den Gaumen, die Süße ist fein dosiert. „Ich bin sehr glücklich, dass junge Menschen sich für dieses traditionsreiche Handwerk begeistern“, freut sich Inka Orth, die selbst vor dem Neustart in Hamburg Konditor- und Pâtissierkurse absolvierte. Sie verweist darauf, dass alle Produkte des Sortiments vor Ort selbst produziert werden. Inka Orth mag es, wenn Gäste die Törtchen – die mit viel Liebe und Zeit hergestellten Herzstücke der Pâtisserie Johanna – teilen. „Das fördert die Kommunikation über gutes Konditorhandwerk.“
Pâtisserie Johanna, Am Sandtorkai 24, 20457 Hamburg, www.patisserie-johanna.de
Mein Ding: Kreativ sein ohne Grenzen
HEFERL – der Name ist schnell erklärt: „Haferl“ (bayerisch für einen Kaffee), Heferl da steckt eine wichtige Zutat fürs Backen drin. Und auch die Verkleinerung hat einen ganz realen Hintergrund. Das ist die große Liebe von Diana Egner für kleine kunstvolle Törtchen, die sie in ihrer gläsernen Backstube zu Glanzstücken des Patisserie-Handwerks macht. Im Dezember 2024 eröffnete, die in München geborene und aufgewachsene Konditormeisterin das HEFERL, das jeden Gast mit dem unwiderstehlichen Duft von frisch Gebackenem begrüßt. Nach zwei Jahren in St. Peter-Ording zog es Diana Egner in eine „richtige“ Stadt. Auf ihr erstes Jahr in der Hansestadt schaut sie nun mit einem zufriedenen Lächeln, denn die Patisserie & Backstube in der historischen Neustadt wurde schnell zum Lieblingsort von Menschen, die gute Produkte, perfektes Handwerk, erlebbare Leidenschaft und eine natürliche Freundlichkeit schätzen. Woher sie den Mut zur Selbstständigkeit nahm? „Ich wollte schon immer mein eigenes Ding machen, kreativ sein ohne Grenzen“, begründet die 33-jährige die Entscheidung. Das Sortiment im HEFERL ist umfangreich: Am Morgen wartet frisches Gebäck wie Zimtknoten und Pain au Chocolat auf Käufer, im Laufe des Vormittags füllt sich die Vitrine mit den Törtchen. Das geschäftige Treiben wird stets begleitet vom Summen der Siebträgermaschine, die viele Haferl am Tag produziert.
HEFERL Patisserie & Backstube, Alter Steinweg 11, 20459 Hamburg, www.heferl.de


