Große Bühne für starke Frauen

Sören Bauer und Marie-Luise Marjan – Fotos: Heike Ross für Sören Bauer

Bei der Female Vision Gala im Hamburger Hotel Atlantik trafen Anfang März rund 300 Gäste aufeinander. Dabei standen mehr als 20 prominente Frauen in mehreren Talkrunden im Mittelpunkt der Abendveranstaltung, die von Sören Bauer initiiert wurde.

Am Vorabend des Weltfrauentages fanden sich
u. a. Politikerin Dr. Katarina Barley, die Schauspielerinnen Andrea Lüdke, Eva Habermann und Melanie Marschke, Reality-TV-Star Daniela Büchner sowie Marie-Luise Marjan, einem Millionenpublikum als Mutter Beimer vertraut, bei der Gala im großen Festsaal ein. Nach der offiziellen Begrüßung kam eine Impuls-Key-Note von Lisa Langrock, bevor Dr. Katarina Barley das Wort ergriff. „Ich musste erst lernen, keinen Konflikten aus dem Weg zu gehen. Ich bin sehr harmoniebewusst. Das Mutigste, was ich gemacht habe, war die Funktion als SPD Generalsekretärin anzunehmen. Damals war ich erst seit zwei Jahren in der Berufspolitik. In dem Job musst du zu allem sprechfähig sein.“ In ihrer anschließenden Keynote gab die 57-Jährige zu, dass sie ihre erste Gehaltsverhandlung ein Desaster war. „Ich habe mich nicht durchgesetzt in der Kanzlei und habe mich klein gemacht. Mein damaliger Chef sagte, es sei gut, dass ich einen Doktortitel hätte, sonst hätte man mich für seine Sekretärin halten können. Das habe ich dann aber kommentiert.“ Bei den anschließenden Talkrunden standen die Themen „Finanzielle Unabhängigkeit ist kein Luxus – sie ist Macht“, „Die nächste Generation – Wenn Töchter Verantwortung übernehmen“ und „Sich neu erfinden – und trotzdem man selbst bleiben“ im Fokus.

Während der Gala kamen auch immer wieder die Anwesenden ins Gespräch, so erzählte Schauspielerin Andrea Lüdke über eine Zeit, als sie besonders kämpfen musste. „Ich kam schon vor der Wende nach Hamburg. Ich habe mich damals in der ABC Straße beim Landessozialamt obdachlos gemeldet und einen Hotelschein erhalten. Das Hotel Funk war ausgerechnet neben dem NDR. Eine Woche später hatte ich dann schon meinen ersten Dreh. Es geht im Leben immer irgendwie weiter.“ Reality-TV-Star Daniela Büchner, die Frauen wie Sylvie Meis und Sophia Loren sehr bewundert, erzählte, dass ihr größter Kampf der Tod von Jens war. „Jetzt sieben Jahre später ist es weniger geworden, aber nicht weniger schmerzhaft.“ Für ihre Töchter nimmt sie den täglichen Kampf auf und will ein Vorbild sein. Schauspielerin Eva Habermann erinnerte sich an die Neunziger Jahre und eine sehr unschöne Erfahrung: „Da kam ein Regisseur während der Dreharbeiten auf mich zu und sagte, ich solle doch mal den Hauptdarsteller sexuell bespaßen, der könne schon gar nicht mehr spielen. Ich antwortete, das kann der sowieso nicht und habe mich die restlichen Dreharbeiten von dem Regisseur schikanieren lassen müssen.“ Übergriffe während der Dreharbeiten hat die Schauspielerin rigoros abgewehrt. Trotz der Me Too-Bewegung beobachtet Eva Habermann immer noch Sexismus in der Filmbranche. In so eine Situation kommt sie jetzt nicht mehr. „Ich bin 50 und finde das Alter großartig. Und ich suche immer wieder nach neuen Challenges. So habe ich einen Song gemacht, ein Buch geschrieben, jetzt die Playboy-Veröffentlichung. Das ist schon schwer zu toppen.“

Marie-Luise Marjan lässt sich seit frühster Jugend von starken Frauenpersönlichkeiten inspirieren: „Zwei wichtige Vorbilder für mich waren die deutsche Verlegerin Aenne Burda und die Gründerin und Unternehmerin Margarete Steiff. Es war damals ein absolutes Novum, dass Frauen gearbeitet haben und eine berufliche Karriere machen konnten. Der Unternehmergeist dieser beiden Frauen fand ich immer sehr beeindruckend.“ Dass Frauenpower auch durch Konkurrenz entstehen kann, erlebte die Schauspielerin zu Beginn ihrer Laufbahn. „Bei einem Engagement am Theater habe ich mitbekommen, dass eine Kollegin viel mehr Geld verdient hat als ich. Bis ich mich jedoch getraut habe, meinen Gehaltswunsch vorzutragen, hat es einige Zeit gebraucht. Statt entschlossen aufzutreten und seine Forderungen beherzt durchzusetzen, neigen Frauen oft dazu, sich für ihre Wünsche und Vorstellungen zu entschuldigen.“ Trotzdem würde die 85-Jährige ihrem jüngeren „Ich“ heute sagen: „Marie-Luise, ich bin sehr stolz auf dich. Du hast alles richtig gemacht!“

Zu den prominenten Herren der Schöpfung zählte Patrick Bach. Der Schauspieler und Synchronsprecher lebt in Scheidung und wurde an diesem Abend von seiner Freundin Monika Grosse begleitet. „Ich habe es von meiner Großmutter und meiner Mutter gelernt, Frauen Türen aufzuhalten und in den Mantel zu helfen. Leider werden solche alten Werte heute nicht mehr überliefert.“ Durch das Programm führten die Moderatorinnen und Zwillingsschwestern Melanie Bergner und Angela Braun. Beim anschließenden Gala-Buffet wurde angeregt weiterdiskutiert und genetzt werkt. Bei ausgelassener Stimmung und heißen Beats von Star-DJ Kai Schwarz verwandelte sich der Ballsaal in eine Partyzone. Bis tief in die Nacht hinein wurde auf der After-Show-Party gefeiert, getanzt, gelacht. Und natürlich neue Ideen und Pläne von Frauen für Frauen geschmiedet.