Selbstführung und Mind-Emptiness

Foto:Sarah Buth

Als Inhaberin von Art of Leadership begleitet Birgit Dierker erfolgreich Unternehmen
auf allen Hierarchieebenen und unterstützt Führungskräfte und Teams in Veränderungs-
Prozessen. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Entwicklung und die Gestaltung von interaktiven Erfahrungsräumen. Sie arbeitet vor allem mit Methoden aus dem erlebnisorientierten Lernen und der positiven Psychologie. Hierbei verbindet sie Kunst mit führungsrelevanten Elementen. Wir sprachen mit ihr über ihr neues Atelier, ihren Ausstieg aus dem Top-Management und ihre Coachings und haben gefragt, warum es zurzeit immer mehr Coachings gibt?

Das Thema Coaching wird durch die stärker vernetzte Welt präsenter. Vor dem Hintergrund der gestiegenen Relevanz von mentaler Gesundheit und persönlicher Entwicklung verbinden auch immer mehr Menschen positive Erfahrungen mit Coaching. Und in der immer komplexer werdenden Arbeitswelt suchen mehr Menschen nach Orientierung.

Was unterscheidet Ihren Ansatz?
Ich verbinde zukunftsrelevante Disziplinen und Artwork mit der Praxis. Dabei finden scheinbare Gegensätze zusammen: Als Künstlerin arbeite ich wissenschaftlich, das heißt, ich erforsche meine Thesen, habe belastbaren Hintergrund für meine Theorien. Und ich habe einen breiten Erfahrungsschatz, dieser ermöglicht mir ein tiefes Verständnis für die Möglichkeiten, die durch Kreativität freigesetzt werden.

Brauchen wir Begleitung bei Veränderung?
Nein. Veränderung findet so oder so statt. Aber wir können die Dauer und den Umgang mit Veränderung gestalten. Die meisten Menschen sind allerdings nicht in der Lage, sich wirklich zu reflektieren und unbewusste Handlungsmuster zu erkennen – besonders in Krisen ist das eine Herausforderung. Dann ist Coaching sinnvoll. Das ist wie mit einem Spiegel. Wir brauchen ihn nicht, um uns zu schminken oder zu frisieren, aber es ist einfacher. Aktuell sind wir in einer Phase der exponentiellen Entwicklung. Das heißt Veränderungen sind schneller, komplexer und gelernte Handlungsmuster funktionieren nicht mehr. Verstandesgetrieben nutzen die meisten nur einen Bruchteil ihres Potenzials. Erschöpfung, Isolation sind immanent steigend. Das geht besser! Wir haben eine Leistungsgesellschaft geschaffen, die aus der falschen Quelle schöpft. Unser Verstand ist begrenzt und schnell erschöpft, aber unsere Sinne nehmen ein Vielfaches an Information über unsere Umwelt auf.

Sie sind auf Führung spezialisiert. Warum?
Aus meiner langjährigen eigenen Erfahrung als Führungskraft in einem DAX 30 Unternehmen, weiß ich, wieviel Potenzial in jedem Augenblick durch unbewusste und entwicklungshemmende Führung verschwendet wird bzw. wie viele Menschen jeden Tag unter schlechter Führung leiden. Das wirkt sich unter anderem in Fluktuation, Krankenstand oder nachlassender Produktivität aus. All das ist reichlich untersucht und dokumentiert. Ich habe Wissen und Erfahrung, wie das besser geht. Ich finde es daher spannend, mich auf diesen so großen Hebel zu spezialisieren. So kann ich Arbeitsumstände und Zufriedenheit am effektivsten verbessern. Zum anderen ist die Fähigkeit sich selbst zu führen und ein gute Selbstregulation ein wesentlicher Faktor wie wir uns zukünftig als Menschheit weiterentwickeln.

Was hat Sie dazu angetrieben aus dem Top-Management in die Selbstständigkeit zu wechseln?
Mir ist erst kürzlich wieder bewusst geworden, dass es wirklich ein tiefer innerer Ruf ist, dem ich mein ganzes Leben lang folge. Antrieb ist mein Wunsch nach Gemeinschaft. Studien belegen steigende Zahlen von Burnout, Einsamkeit, Suizid, etc. Immer mehr Menschen fühlen sich allein und dabei sind unsere Gehirne auf Verbindung ausgelegt! Diese Erfahrung und das Wissen möchte ich teilen, weil es so wichtig ist. Ich möchte beitragen, dass die Welt sich verbessert, zum Wohle aller.

Wann haben Sie begonnen zu malen und Ihre Kunst in Coachings zu integrieren?
Ich male, seit ich denken kann. Für mich war es tätige Meditation, Reflexion und in vielen Bereichen heilsam. Also insgesamt etwas, dass mir und meiner Entwicklung gedient hat. Ich integriere Kunst im Speziellen, wenn ich den Eindruck habe, dass es für den Entwicklungsprozess meines Kunden hilfreich ist. Meine Haltung als Künstlerin integriere ich schon immer in alles, was ich tue. Für mich ist alles Kunst und Material. Das ermöglicht mir einen Entwicklungsraum zu gestalten, der über das hinausgeht, was herkömmliche Coachings vermögen.

Warum haben Sie Ihr altes Atelier am Eppendorfer Weg geschlossen und haben sich für Ihr neues Atelier in Wedel entschieden?
Der denkmalgeschützte naturnahe Hof bietet die perfekte Umgebung, um effektive Transformation zu unterstützen. In der heutigen Zeit brauchen wir solche Orte.

Mit wem möchten Sie dort arbeiten?
Mit Menschen, die sich entwickeln möchten. Menschen, die Zukunft gestalten möchten, statt zu jammern, wie schlecht alles ist. Die sich anstecken lassen möchten, von meiner Begeisterung über menschliches Vermögen, über das was im gemeinsamen Flow möglich ist. Menschen, die dem Irrsinn dieser Zeit etwas entgegenhalten wollen. Optimismus und Freude verbreiten möchten. Inspiration teilen, andere positiv anstecken. Hoffnung machen!

Welche Veränderungsprozesse in Unternehmen sind aus Ihrer Sicht gerade besonders dringend und aktuell häufig zu beobachten?
Ich nehme in meiner Arbeit wahr, dass es nach der so großen Veränderung durch Covid, die Digitalisierung, KI etc. keine Phase der Reflexion gegeben hat. Im Außen wurde immer weiter beschleunigt, aber die Menschen kommen nicht mit, haben die mentalen Skills, die einen gesunden Umgang mit Transformation ermöglichen, nicht erlernt.

Welche Führungsstile haben sich überholt?
Von Ego zu Eco bringt es vielleicht auf den Punkt.

Und welche Führungsstile braucht es stattdessen?
Jede Form, die Co-Kreation ermöglicht, die die Räume schafft, in denen Mitarbeiter kollektiv lernen, Wissen teilen, sich verbinden.

Was war für Sie das beste Feedback, an das Sie sich erinnern?
Das kam von einer Führungskraft, die für mehr als 300 Mitarbeitende verantwortlich ist. Er sagte: „Ohne Deine Unterstützung wäre ich im Burnout gelandet.“

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